Mein Baby & ich

Ernährung in der Stillzeit

Mythencheck: Blähungen beim Baby – liegt es an der Muttermilch?

Das Stillen ist eine wunderschöne und intime Zeit mit deinem Baby: Du versorgst dein Kind nicht nur mit Nahrung, sondern gibst ihm auch die Nähe und Geborgenheit, die es braucht. Dabei ist die Muttermilch optimal auf die Bedürfnisse deines Babys abgestimmt und sorgt dafür, dass es ihm an nichts fehlt. Aber wie sieht es mit der eigenen Ernährung aus? Inwieweit kann sie das Wohlbefinden deines Kindes beeinflussen – positiv wie negativ? Und kann dein Speiseplan wirklich verantwortlich für die Beschwerden deines Kindes sein?

Blähungen kurz nach dem Stillen

Leider ist es keine Seltenheit: Viele Mamas beobachten, dass ihr Baby kurz nach dem Stillen anfängt zu weinen, die Beinchen anzieht und einen harten Bauch bekommt. Der Grund dafür: Blähungen. Aber was steckt dahinter?

Zum einen ist das Verdauungssystem noch nicht ganz ausgereift und damit quasi noch „am Üben“. Zum anderen gilt es als wahrscheinlich, dass das Baby beim Trinken zu viel Luft geschluckt hat. Das passiert vor allem dann, wenn sein Mund die Brust beim Stillen nicht so umschließt, dass ein konstantes Vakuum entsteht. Auch die Haltung während des Trinkens kann dazu führen, dass das Baby vermehrt Luft schluckt. Hier gilt: Kopf, Rumpf und Becken des Kleinen sollten eine Linie bilden. Und das Bäuerchen nicht vergessen, gerne auch schon während des Stillens.

Bläht deine Ernährung den Bauch deines Babys?

Unabhängig davon suchen viele Mütter aber auch verzweifelt nach einer Erklärung in der eigenen Ernährung. Ein naheliegender Gedanke, denn manche Lebensmittel wirken eben blähend. Aber kann das überhaupt über die Muttermilch weitergegeben werden?

Es gibt unterschiedliche Meinungen dazu, ob die Ernährung stillender Mütter wirklich die Babyblähungen verursacht – und sie deshalb auch verhindern könnte. Einerseits gibt es Lebensmittel, die besonders im Verdacht stehen, Unruhe in Babybäuchen zu verursachen, andererseits gibt es Stimmen, die hier keinen Zusammenhang sehen.

Wissenschaftliche Belege dafür, dass die Ernährung der Mutter Blähungen beim Baby auslöst, gibt es bisher nicht. Stattdessen lautet die Empfehlung für stillende Mütter: Ernähre dich gesund und ausgewogen – so gibst du deinem Baby alles, was es zum Wachsen braucht. Es gibt keinen Grund auf Fisch, Eier oder Kuhmilch zu verzichten. Im Gegenteil: Jetzt sollten keine Lebensmittel unnötig vom Speiseplan entfernt werden. Denn Stillen bedeutet für den Körper Arbeit – der Energiemehrbedarf einer stillenden Mutter steigt pro Tag um mehr als 600 Kalorien.

Probier' einfach aus, was euch guttut

Wenn du dennoch das Gefühl hast, dass ein bestimmtes Nahrungsmittel Blähungen bei deinem Baby verursacht, lass es einfach eine Zeit lang weg. Dann kannst du beobachten, wie dein Kind reagiert und was passiert, wenn das Nahrungsmittel wieder auf deinen Speiseplan kommt.

Wenn du deine eigenen Beobachtungen absichern willst, kann es hilfreich sein, zusätzlich ein Ernährungstagebuch zu führen. Notiere darin am besten nicht nur, was du gegessen und getrunken hast, sondern auch, wie es deinem Baby damit nach dem Stillen ging: Hatte es Blähungen oder andere Symptome und Auffälligkeiten?

Wenn du dann der Meinung bist, dass du auf eine ganze Lebensmittelgruppe verzichten solltest (z. B. Hülsenfrüchte), ist es zu empfehlen, mit einem Experten die nächsten Schritte zu besprechen. Das kann dein Arzt, deine Hebamme, aber auch ein Still- oder Ernährungsberater sein. Denn du und dein Baby brauchen eine ausreichende, ausgewogene Ernährung, um genug Nährstoffe und damit genug Power für diese Zeit zu bekommen.

Ein Expertenrat macht vor allem auch dann Sinn, wenn in deiner Familie Allergien bekannt sind. Denn manche Eiweiße und Geschmacksstoffe, die in die Muttermilch übergehen, können bei sehr sensiblen Babys zu Blähungen oder anderen Überempfindlichkeiten führen.

15 Lebensmittel, denen grundsätzlich eine blähende Wirkung nachgesagt wird:

  • Bohnen
  • Knoblauch
  • Kohl
  • Hülsenfrüchte
  • Sauerkraut
  • Mais
  • Lauch
  • Linsen
  • Paprika
  • Spargel
  • Vollkornprodukte
  • Zwiebeln
  • Eier
  • Fenchel, wie er oft in Still-Tee enthalten ist (kann bei großen Mengen Tee blähend wirken)
  • Frisches Obst (z. B. Aprikosen, Birnen, Pflaumen und Kirschen)

Ausgewogene Ernährung: Davon darf's ein bisschen mehr sein

Auch wenn du für dich entscheidest, einige Lebensmittel während der Stillzeit wegzulassen, ist es wichtig, weiterhin genug Energie für dich und dein Baby zu haben. Es darf also schon mehr auf dem Teller sein – am besten möglichst abwechslungsreich. Denn eine ausgewogene Ernährung gemäß den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) ist auch während der Stillzeit ratsam.

Ernährung in der Stillzeit

Mit deiner Ernährung entscheidest du über die Qualität und Nährstoffdichte der Muttermilch. Lebensmittel, die reich an Vitaminen, Mineralien und gesunden Fetten sind, eignen sich hervorragend, um die Entwicklung deines Babys zu unterstützen. Denn durch das Stillen gibst du wertvolle Nähr- und Mineralstoffe an dein Kind weiter, damit es wächst und gedeiht. Jod hat dabei einen besonders hohen Stellenwert und sorgt dafür, dass sich dein Baby geistig und körperlich gut entwickeln kann.

Da der Teufel bekanntlich im Detail steckt, gehören auch Lebensmittel, die als Blähungsverursacher verdächtig sind, durchaus zu den ansonsten empfohlenen (z. B. Obst, Eier oder Hülsenfrüchte). Hier gilt es also im Zweifelsfall erst recht auszuprobieren und dann zu entscheiden.

Um deine Nährstoffvorräte generell aufzufüllen, eignen sich beispielsweise folgende Lebensmittel:

  • Eiweiß: Hähnchen- und mageres Rindfleisch, Milch, Milchprodukte, Fisch, Eier
  • Vitamin C: Zitrusfrüchte, Kiwis, Paprika, Kohl
  • Vitamin A: Ananas, Möhren, Kohlrabi, Mango, Tomaten
  • B-Vitamine: Milchprodukte, Bananen, Fleisch, Seefisch, Vollkornprodukte
  • Folsäure: Hülsenfrüchte, Tomaten, Himbeeren, Erdbeeren
  • Eisen: Eier, Vollkornprodukte, Himbeeren, Nüsse, Hülsenfrüchte, Rindfleisch
  • Jod: Produkte mit Jodsalz, Seefisch
  • Hochwertige Fette: Seefisch, kalt gepresste Pflanzenöle
  • Kalzium: Milchprodukte, bestimmte Mineralwässer, Nüsse
  • Zink: Rindfleisch, Haferflocken, Meeresfrüchte, Fisch

Außerdem ist ein guter Flüssigkeitshaushalt wichtig: Empfohlen werden ungefähr 2 Liter Flüssigkeit am Tag. Leitungs- und Mineralwasser oder ungesüßte Früchte- und Kräutertees (ohne Salbei und Pfefferminze) sind eine gute Wahl. Wer auf etwas Koffein nicht verzichten möchte, kann maßvoll zugreifen: Zwei Tassen Kaffee oder Schwarzer Tee gelten als unbedenklich, am besten direkt nach dem Stillen genossen. Alkohol und Nikotin sind in der Stillzeit ausnahmslos tabu.

Mein Baby und ich

Letzten Endes gibt es also keine allgemeingültige Empfehlung, die deine Ernährung während der Stillzeit einschränkt. Im Gegenteil, prinzipiell darf es reichlich und von jedem etwas sein.

Was den Mythos Baby-Blähungen und die eigene Ernährung angeht: Hier ist die Lage nicht so eindeutig. Es kommt buchstäblich aufs Bauchgefühl an – auf dein eigenes und das deines Babys. Im Zweifelsfall gilt es auszuprobieren, womit es euch am besten geht!


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