Expertenwissen

8 Fragen an die Experten
von hallohebamme

hallohebamme
Anja & Marie,
Hebammen

"Hallo, wir sind Anja und Marie, zwei Hebammen aus Heidelberg und Gründerinnen von hallohebamme. Aktuell arbeiten wir beide im Kreißsaal an einem Level 1 Krankenhaus und sind zusätzlich freiberuflich mit Vorsorgen, Nachsorgen und Kursen tätig. Vor circa einem Jahr widmeten wir uns dem Projekt hallohebamme und erfüllten uns mit der "Nachsorge 2.0" einen großen Herzenswunsch. Wir stellen vielen Schwangeren, Mamas und Papas einige Tipps und Tricks, aber auch allgemeine Informationen aus den Bereichen Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett zur Verfügung. Wir hoffen, damit ein paar Fragen der Eltern beantworten und Sorgen nehmen zu können. Wir sind außerhalb unseres Blogs zudem auf verschiedenen Social-Media-Kanälen wie Instagram, YouTube und Facebook zu finden."


1. Wie häufig habt ihr mit Säuglingsblähungen zu tun?

Fast jedes Kind ist in den ersten Lebenswochen oder -monaten mal mehr, mal weniger von Bauchweh geplagt, dass ist nichts Ungewöhnliches. Der Darm benötigt einfach nach der Geburt einige Zeit, um sich zu entwickeln.

2. Wie schwierig ist es, Blähungen bei Neugeborenen zu diagnostizieren? Womit lassen sich die Symptome ggf. verwechseln und worauf sollten Eltern besonders achten?

Zu Beginn ist es wichtig, dass die Eltern sich Zeit lassen, ihr Neugeborenes erst einmal kennenzulernen. Nach einiger Zeit werden sie ganz intuitiv spüren, was ihr Kind benötigt, wenn es unruhig ist oder vielleicht sogar schreit. Bis dahin ist es aber erstmal ein langer Weg. Es gibt einige Punkte, an denen die Eltern ganz leicht selbst erkennen können, ob ihr Kind unter Blähungen leidet:

  • Das Kind ist unruhig, überstreckt sich und lässt sich kaum beruhigen
  • Es windet sich vor allem im Liegen und zieht die Beine (häufig das linke) immer wieder fest zu sich heran
  • Der Bauch des Kindes ist hart, prall und wie ein Luftballon gebläht
  • Es spannt beim Abtasten den Bauch an, aber es kommt weder Stuhlgang noch Luft
  • Die Symptome zeigen sich oft zur gleichen Tageszeit, meist am Nachmittag oder am Abend
  • Eventuell ist ein Gluckern/Rumoren im Bauch zu hören

Arzttasche

Anja & Marie – Hebammen aus vollem Herzen

"Mit großer Freude und Leidenschaft begleiten wir Frauen, Familien und neugeborene Kinder in einer aufregenden und sehr emotionalen Phase. Das Wunder der Schwangerschaft und der Geburt sind einzigartige Ereignisse. Das Gefühl, dass neues Leben in unsere Hände geboren wird, ist auch nach all den Jahren immer noch einzigartig und jedes Mal voller Zauber. Und wir sind sehr dankbar, die Familien auch darüber hinaus noch ein Stück weit in diesem neuen Lebensabschnitt zu begleiten, sie zu unterstützen und mit unserem Wissen weiterhelfen zu können. Jede Familie ist dabei individuell und bringt verschiedene Ressourcen mit, die es zu stärken gilt. Das ist großartig, denn dadurch birgt jeder Tag eine neue Herausforderung, was unseren Beruf sehr vielfältig, facettenreich und besonders macht – deshalb sind wir Hebammen geworden!"

3. Was sind eure Top Tipps, wenn das Baby Blähungen hat und deshalb viel weint?

Das Wichtigste ist tatsächlich: tragen, tragen, tragen. Ein Neugeborenes benötigt vor allem in dieser Zeit viel Nähe und Zuneigung. Weil das auf Dauer aber ziemlich in die Arme gehen kann, vor allem wenn die Kinder zunehmend schwerer werden, empfehlen wir, ein Tragetuch oder ein Tragesystem zu verwenden. Das spart nicht nur viel Kraft, sondern man hat auch zwischendurch mal zwei Hände frei, um zum Beispiel etwas im Haushalt erledigen zu können.

Die Eltern sollten außerdem immer darauf achten, dass das Kind möglichst nach jeder Mahlzeit ein "Bäuerchen" macht, um unnötige störende Luft im Bauch loszuwerden.
Zusätzlichen empfehlen wir gerne eine Bauchmassage mit einem speziellen Öl, mit anschließendem Beine kreisen lassen. Die Anwendung von Wärme, zum Beispiel durch ein Kirschkernkissen auf dem Bauch, entspannt viele Kinder ebenfalls gut. Zusätzlich sollten die Eltern in dieser Zeit versuchen, ihr Kind so wenigen Reizen wie möglich auszusetzen, da diese zusätzlich zu Unruhe führen können. Toleriert das Kind die Bauchlage, kann diese ebenfalls helfen, die fiesen Blähungen loszuwerden.

4. Welchen Ratschlag gebt ihr speziell Eltern mit, wenn sie über tägliche/nächtliche, nicht enden wollende Schreiattacken ihres Babys klagen? Was können sie tun, um auch mal auf sich zu achten?

Irgendwann spitzt sich in jeder Familie, deren Kind unter Säuglingsblähungen, umgangssprachlich auch Dreimonatskoliken genannt, leidet, die Situation emotional zu. Man fühlt sich überfordert und absolut hilflos, wenn das Kind stundenlang durchschreit. Doch das ist normal und darf sein! Es ist aber gerade dann absolut wichtig, Ruhe zu bewahren. Wenn man gefühlt kurz vor dem Überkochen ist, sollte und muss man kurz aus dieser Situation raus, um Schlimmeres zu verhindern. Holt euch deswegen aktiv Hilfe von außen. Viele Großeltern oder Freunde freuen sich, wenn sie euch unterstützen können, können aber nicht riechen, wie es euch geht. Scheut euch deswegen niemals davor, nach Hilfe zu fragen. Ihr werdet sehen, nach einer kurzen Zeit mit etwas Abstand seid ihr wieder fit, um weiterzumachen.

5. Welche Unsicherheiten vertrauen jungen Eltern euch in so einer Situation an?

Viele haben die Sorge, dass ihr Kind schreit, weil sie etwas falsch machen oder schlechte Eltern sind. Viele Frauen sind außerdem verunsichert, weil sie gehört oder gelesen haben, ihre Ernährung könnte schuld daran sein, dass ihr Kind so viel weint. Aber es gilt: Wer stillt, darf alles essen.

6. Aus eurer Erfahrung, wie empfinden junge Eltern die ersten Monate mit ihrem Baby? Glücklich, anstrengend, auch mal hilflos? Und warum trauen sich manche jungen Eltern nicht, auch über die anstrengenden Seiten des Elternseins offen zu reden?

Es gibt alle Bandbreiten an Emotionen, denn jedes Kind ist natürlich anders – und genau da liegt das Problem. Direkt nach der Geburt beginnt eine Art Wettkampf: Wer hat das "bessere" Kind? Hinzu kommt, dass frischgebackenen Eltern häufig durch äußere Einflüsse (Social Media, Print & Fernsehen) das Gefühl vermittelt wird, alles müsse perfekt sein. Viele Mamas und Papas haben deswegen das Gefühl, dass sie alles falsch machen, wenn ihr Kind häufig und lange schreit und deswegen schlechte Eltern sind. Das ist natürlich absoluter Blödsinn, denn es gehört dazu, dass man die Bedürfnisse seines Kindes erst nach und nach kennenlernt.

7. Wie kann man jungen Eltern ein authentisches Bild vom Elternsein – und damit auch von schwierigen Phasen wie Säuglingsblähungen – aufzeigen, ohne sie dadurch zu beunruhigen?

Es ist wichtig, dass die Eltern verstehen, dass es einen Unterschied gibt zwischen "mein Kind schreit, weil es zum Beispiel Bauchweh oder ein anderes Bedürfnis (Hunger oder eine volle Windel) hat" und "ich lasse mein Kind schreien". Das sind zwei völlig unterschiedliche Dinge, aber häufig in den Köpfen der Eltern ein und dasselbe. Ein Kind darf schreien, es hat ja erstmal keine andere Möglichkeit, uns mitzuteilen, dass ihm gerade etwas wehtut oder vielleicht nicht passt. Wichtig ist, zu verstehen: Wenn man in diesem Moment für sein Kind da ist, das heißt es trägt, den Bauch massiert und so weiter, dann ist dies das absolute Gegenteil von "sein Kind schreien lassen".

8. Was ist eure wichtigste Botschaft an junge Mütter bzw. junge Eltern?

Auch wenn es sich immer wie nach einem Zitat aus einem Kalender anhört, es ist wirklich alles nur eine Phase – und die geht früher oder später vorbei, wirklich


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